01.10.2026
Bausparvertrag kündigen: So kommst du raus, ohne Geld zu verschenken
Viele Bausparverträge laufen seit Jahren, ohne dass jemand je bauen will. Sie wurden abgeschlossen, weil die Bank es empfohlen hat, weil der Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen zahlt oder weil es sich vernünftig angefühlt hat. Wenn du deinen Bausparvertrag kündigen willst, ist die Frage selten, ob das erlaubt ist. Die Frage ist, was es dich kostet und was du mit dem Geld danach machst. Genau das rechnen wir hier durch.
Von: Andreas Bauer und Moritz Bauereiß
Das Wichtigste in Kürze
- Du kannst einen Bausparvertrag grundsätzlich jederzeit kündigen, die Auszahlung erfolgt nach einer Kündigungsfrist, die je nach Tarif häufig sechs Monate beträgt.
- Die Abschlussgebühr ist in der Regel verloren, egal ob du kündigst oder weiter einzahlst. Sie ist deshalb kein Grund, im Vertrag zu bleiben.
- Echte Verluste entstehen vor allem bei Wohnungsbauprämie, Arbeitnehmersparzulage und Riester Förderung. Diese Punkte prüfst du vor der Kündigung.
- Stillhalten kostet ebenfalls Geld, weil dein Guthaben bei einem Zins nahe null real an Kaufkraft verliert.
Kann man einen Bausparvertrag jederzeit kündigen?
Ja. Wer seinen Bausparvertrag kündigen will, kann das grundsätzlich jederzeit tun, ohne einen Grund zu nennen. Die Bausparkasse zahlt das Guthaben dann nach einer Kündigungsfrist aus, die je nach Tarif häufig sechs Monate beträgt. Die genaue Regelung steht in den Allgemeinen Bedingungen für Bausparverträge deines Tarifs.
Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Eine Begründung brauchst du nicht, und die Bausparkasse kann sie nicht ablehnen. Willst du früher an dein Geld, zahlen viele Bausparkassen auch vor Ablauf der Frist aus, dann allerdings gegen einen Abschlag. Das lohnt sich nur, wenn du das Geld tatsächlich sofort brauchst.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Kündigen und Auflösen. Umgangssprachlich wird beides gleich verwendet. Gemeint ist in beiden Fällen, dass der Vertrag endet und dein Guthaben inklusive Zinsen auf dein Girokonto überwiesen wird. Ein Bauspardarlehen gibt es danach nicht mehr, und genau das ist in den meisten Fällen auch kein Verlust.
Was passiert, wenn du den Bausparvertrag vorzeitig kündigst?
Wenn du den Bausparvertrag vorzeitig kündigst, also vor der Zuteilung, bekommst du dein eingezahltes Guthaben plus die bis dahin angefallenen Zinsen zurück. Abgezogen werden Gebühren, die bereits angefallen sind. Staatliche Förderungen können dabei wegfallen oder zurückgefordert werden, je nachdem, welche Förderung du erhalten hast.
Viele fragen sich, ob man einen Bausparvertrag vorzeitig kündigen kann, ohne das komplette Geld zu verlieren. Die Antwort ist beruhigend: Dein eingezahltes Kapital ist nicht weg. Es gibt keine Strafzahlung für die Kündigung selbst, wie man sie etwa von manchen Versicherungen kennt.
Was vorzeitig bedeutet, hängt vom Stand deines Vertrags ab. Hast du die Mindestsparsumme und die nötige Bewertungszahl noch nicht erreicht, gilt der Vertrag als nicht zuteilungsreif. Die Kündigung ist trotzdem möglich. Ist der Vertrag bereits zuteilungsreif, kannst du dir das Guthaben in der Regel ebenfalls auszahlen lassen und auf das Darlehen verzichten. Für viele ist das der naheliegende Moment, den Vertrag aufzulösen, weil die Ansparphase ohnehin vorbei ist.
Wie viel Verlust entsteht, wenn du den Bausparvertrag kündigst?
Weniger als die meisten befürchten, wenn sie ihren Bausparvertrag kündigen. Die Abschlussgebühr ist beim Kündigen in der Regel verloren, aber sie ist auch verloren, wenn du weiter einzahlst. Sie wurde zu Beginn bezahlt und kommt in keinem Szenario zurück. Echte Verluste durch die Kündigung selbst entstehen meist nur bei staatlichen Förderungen.
Ein Beispiel zur Einordnung. Bei einer Bausparsumme von 50.000 Euro beträgt die Abschlussgebühr bei rund einem Prozent etwa 500 Euro. Hast du fünf Jahre lang 150 Euro im Monat eingezahlt, stehen 9.000 Euro Einzahlungen im Vertrag. Bei einem Guthabenzins zwischen 0,1 und 0,5 Prozent haben die Zinsen in dieser Zeit die Gebühr nicht ausgeglichen. Das fühlt sich wie ein Verlust an, ist aber eine Entscheidung von damals, nicht von heute.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, was du beim Kündigen verlierst. Sie lautet, was dein Geld ab morgen verdient. Jeder weitere Monat im Vertrag bedeutet eine Verzinsung, die unter der Inflation liegt. Die Kontogebühren laufen dabei weiter.
Wer sagt, er könne den Bausparvertrag kündigen und verliere dabei viel Geld, meint in den meisten Fällen die bereits bezahlte Abschlussgebühr. Die ist aber kein Argument für das Weitermachen, sondern ein Kostenpunkt aus der Vergangenheit.
Wann du vor dem Kündigen genau hinschauen solltest
Wer einen geförderten Bausparvertrag kündigen will, sollte in drei Situationen genauer hinschauen, weil eine überstürzte Kündigung dort tatsächlich Geld kosten kann. Das sind Verträge mit Wohnungsbauprämie, Verträge mit vermögenswirksamen Leistungen und Arbeitnehmersparzulage sowie Riester geförderte Bausparverträge. In allen drei Fällen lohnt sich ein Blick in die Unterlagen, bevor du unterschreibst.
Wohnungsbauprämie. Bei Verträgen, die seit dem 1. Januar 2009 abgeschlossen wurden, ist die Prämie an eine wohnwirtschaftliche Verwendung gebunden. Kündigst du ohne diese Verwendung, entfällt der Anspruch. Ausnahmen gibt es für Härtefälle wie längere Arbeitslosigkeit, Erwerbsunfähigkeit oder Tod und einmalig für Bausparer, die bei Abschluss jünger als 25 waren. Bei älteren Verträgen ist die damalige Bindungsfrist von sieben Jahren inzwischen abgelaufen. Wie hoch der Betrag ist, steht in deinen Jahreskontoauszügen.
Vermögenswirksame Leistungen. Wenn du einen Bausparvertrag mit vermögenswirksamen Leistungen kündigen willst, ist die Sperrfrist entscheidend. Für die Arbeitnehmersparzulage gilt eine Bindungsfrist von sieben Jahren ab Vertragsbeginn. Die Zahlungen deines Arbeitgebers selbst bleiben dir erhalten. Du kannst sie außerdem künftig in einen dafür zugelassenen Fondssparplan lenken, statt sie im Bausparvertrag zu parken.
Riester Förderung. Ein Riester Bausparvertrag ist ein Sonderfall. Eine Kündigung gilt dort meist als schädliche Verwendung, dann müssen Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden. Hier sollte die Entscheidung nie ohne vorherige Rechnung fallen.
Ein vierter Fall betrifft ältere Verträge mit einem Guthabenzins aus Hochzinsphasen. Bei solchen Verträgen kann sich die Rechnung anders darstellen als bei einem Tarif von heute. Auch hier gilt: erst rechnen, dann entscheiden.
So kündigst du deinen Bausparvertrag richtig
Du kündigst schriftlich per Brief an deine Bausparkasse, bei manchen auch über ein Formular im Kundenportal. Nenne deinen Namen, die Vertragsnummer, den Wunsch zur Kündigung zum nächstmöglichen Zeitpunkt und die Bankverbindung für die Auszahlung. Bitte um eine schriftliche Bestätigung mit dem Auszahlungstermin.
Eine Vorlage für die Kündigung muss nicht kompliziert sein. Diese Bestandteile gehören hinein:
- dein vollständiger Name und deine Anschrift
- die Vertragsnummer des Bausparvertrags
- der Satz, dass du den Vertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigst
- die IBAN für die Auszahlung des Guthabens
- die Bitte um schriftliche Bestätigung und Nennung des Auszahlungstermins
- Ort, Datum und Unterschrift
Ein Satz wie "Hiermit kündige ich meinen Bausparvertrag Nr. [Vertragsnummer] zum nächstmöglichen Zeitpunkt und bitte um Auszahlung des Guthabens auf das folgende Konto" reicht in der Regel aus.
Wenn du den Bausparvertrag kündigen willst und unsicher bist, wie deine Bausparkasse das handhabt, übernehmen wir das für dich. Vordrucke, Fristen und Schriftverkehr laufen dann über uns, du musst nichts selbst zusammensuchen.
Wohin mit dem Geld, nachdem du den Bausparvertrag gekündigt hast?
Das ist die eigentlich wichtige Entscheidung. Wer seinen Bausparvertrag kündigen will, sollte vorher wissen, wohin das Geld danach fließt. Wer das Guthaben auf dem Girokonto liegen lässt, hat wenig gewonnen. Sinnvoll ist, das freigewordene Guthaben und die frei werdende monatliche Sparrate in eine Struktur zu überführen, die zu deinem Zeithorizont passt.
Für Geld, das du in den nächsten Jahren brauchst, ist ein Tagesgeldkonto ein solider Parkplatz. Für den langfristigen Vermögensaufbau kann ein breit gestreuter ETF oder Fondssparplan eine Alternative sein. Kapitalmärkte schwanken, einzelne Jahre können deutlich im Minus liegen, und Erträge sind zu versteuern. Mit einem langen Zeithorizont lassen sich solche Schwankungen aber aussitzen.
Wie groß der Unterschied über die Jahre werden kann, haben wir im Beitrag zum Bausparvertrag als Altersvorsorge mit einer konkreten Modellrechnung gezeigt.
Wir bauen Depots ohne Ausgabeaufschläge auf und arbeiten mit einer erfolgsabhängigen Vergütung. Welche Lösung in deinem Fall passt, hängt von deinen Zahlen ab. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine individuelle Beratung.
Über die Autoren:
Andreas Bauer und Moritz Bauereiß
Certified Financial Planner und Finanzökonomen
Unabhängig, digital und ohne Produktverkauf. Wir rechnen deine Finanzierung durch, bauen dein Vermögen auf und bleiben auch nach dem Kauf an deiner Seite.
Häufige Fragen zum Bausparvertrag kündigen
Kann ich einen zuteilungsreifen Bausparvertrag kündigen?
Ja, auch ein zuteilungsreifer Bausparvertrag lässt sich kündigen. Du verzichtest dann auf das Bauspardarlehen und lässt dir nur das Guthaben auszahlen. Für viele ist genau dieser Zeitpunkt günstig, weil die Ansparphase abgeschlossen ist. Prüfe vorher, ob eine Wohnungsbauprämie an eine wohnwirtschaftliche Verwendung gebunden ist, sonst kann sie verfallen.
Bekomme ich die Abschlussgebühr zurück, wenn ich kündige?
In der Regel nicht. Die Abschlussgebühr wird bei Vertragsbeginn fällig und bei einer Kündigung nicht erstattet. Das gilt allerdings unabhängig davon, ob du kündigst oder weiter einzahlst. Die Gebühr ist deshalb kein Argument, im Vertrag zu bleiben. Maßgeblich ist, was dein Guthaben ab jetzt an anderer Stelle erwirtschaften könnte.
Kann ich den Bausparvertrag ruhen lassen, statt ihn zu kündigen?
In vielen Tarifen ist das möglich. Du stellst die Einzahlungen ein, das Guthaben bleibt im Vertrag und wird weiter verzinst. Das kann sinnvoll sein, wenn eine Sperrfrist für Förderungen noch läuft. Bedenke aber, dass Kontogebühren weiterlaufen können und das Guthaben bei einem Zins nahe null real weiter an Kaufkraft verliert.
Bausparvertrag kündigen oder verkaufen: Was ist besser?
Für die meisten ist die Kündigung der einfachere Weg. Ein Verkauf an einen Aufkäufer ist nur in bestimmten Konstellationen möglich und nach unserer Einschätzung eher bei älteren Verträgen mit hohem Guthabenzins interessant. Ob dein Vertrag dafür in Frage kommt, hängt vom Tarif ab. Im Normalfall bringt die Kündigung dein Guthaben ohne Zwischenhändler und ohne weitere Abschläge zurück.
Darf die Bausparkasse meinen Vertrag kündigen?
Ja, in bestimmten Fällen. Der Bundesgerichtshof hat 2017 entschieden, dass Bausparkassen Verträge kündigen dürfen, die seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif sind. Betroffen sind vor allem ältere Verträge mit hohen Guthabenzinsen, die für die Bausparkassen teuer geworden sind. Hast du eine solche Kündigung erhalten, lohnt sich eine Prüfung, ob die Voraussetzungen tatsächlich erfüllt sind.