Zum Inhalt springen
02.09.2026

Bausparvertrag als Altersvorsorge: Warum das die falsche Frage ist

Wer nach einem Bausparvertrag als Altersvorsorge sucht, stellt eine Frage, die so nicht funktioniert. Nicht weil die Antwort kompliziert wäre, sondern weil Bausparen und Altersvorsorge zwei völlig verschiedene Dinge sind. Man kann sie nicht sinnvoll miteinander vergleichen, so wie man einen Regenschirm nicht mit einer Heizung vergleicht.
Trotzdem wird der Bausparvertrag als Altersvorsorge in Deutschland millionenfach verkauft. Meistens von Menschen, die daran verdienen. Wir halten das für einen der teuersten Denkfehler in der privaten Finanzplanung, und wir rechnen dir in diesem Beitrag vor, warum.
Unsere Position dazu ist eindeutig: Wir sind gegen Bausparen als Geldanlage, gegen den Bausparvertrag als Altersvorsorge und gegen Bausparen als Zinssicherungsprodukt. Wir arbeiten nicht mit Sicherheitsgefühlen, sondern mit Mathematik.
Von: Andreas Bauer und Moritz Bauereiß
Drei silberne Münzen fallen senkrecht in den Schlitz eines weißen Sparschweins vor einem grünen Hintergrund.

Warum Bausparvertrag und Altersvorsorge nicht in dieselbe Kategorie gehören

Wer über einen Bausparvertrag als Altersvorsorge nachdenkt, sollte zuerst klären, was Altersvorsorge überhaupt leisten muss. Sie hat genau eine Aufgabe. Sie soll dafür sorgen, dass dein Geld über Jahrzehnte mehr wird, damit du im Ruhestand von etwas leben kannst. Der Maßstab dafür ist Rendite über Zeit.
Ein Bausparvertrag ist dafür nicht gebaut. Er ist ein Zwitter aus einem schlecht verzinsten Sparkonto und einer Option auf ein Darlehen. Wer ihn als Altersvorsorge betrachtet, misst ihn an einer Aufgabe, für die er nie konstruiert wurde, und stellt dann fest, dass er sie nicht erfüllt.
Deshalb ist ein Beitrag über den Bausparvertrag als Altersvorsorge streng genommen ein Beitrag darüber, warum diese Kombination nicht existiert. Wir schreiben ihn trotzdem, weil die Frage täglich gestellt wird und weil die Antwort darauf über sehr viel Geld entscheidet.

Was beim Bausparvertrag als Altersvorsorge in der Ansparphase wirklich passiert

Schau dir an, was mit deinem Geld passiert, während du in einen Bausparvertrag als Altersvorsorge einzahlst. Die Guthabenverzinsung liegt bei den meisten aktuellen Tarifen bei etwa 0,1 bis 0,5 Prozent pro Jahr. Das ist keine Rendite. Das ist Stillstand mit Kontoauszug.
Dazu kommt eine Abschlussgebühr von üblicherweise rund einem Prozent der Bausparsumme, die dir direkt zu Beginn abgezogen wird. Bei 50.000 Euro Bausparsumme sind das 500 Euro, die weg sind, bevor der erste Cent für dich arbeitet. Viele Tarife berechnen zusätzlich jährliche Kontogebühren.
Rechne beides zusammen und stell es der Inflation gegenüber. Über 15 Jahre verliert dein Geld in einem Bausparvertrag real an Kaufkraft. Nicht dramatisch pro Jahr, aber sicher. Genau das ist der Grund, warum wir vom Bausparvertrag als Altersvorsorge nicht nur abraten, sondern ihn als Vermögensbremse bezeichnen.

Das Zinssicherungsargument hält der Rechnung nicht stand

Jetzt kommt das Argument, das dir jeder Bausparberater als Letztes anbietet, wenn der Bausparvertrag als Altersvorsorge nicht mehr zu halten ist: Es geht doch gar nicht ums Sparen, es geht um die Zinssicherung. Du sicherst dir heute einen günstigen Darlehenszins für den Immobilienkauf in 15 Jahren.
Auch das hält der Rechnung nicht stand, und zwar deutlich nicht.
Nimm einen typischen Fall. Du zahlst 350 Euro monatlich in einen Bausparvertrag, 15 Jahre lang, bei einem Guthabenzins von 0,5 Prozent. Am Ende dieser Ansparzeit stehen 65.430,23 Euro auf dem Vertrag. Eingezahlt hast du in dieser Zeit 63.000 Euro. Dein gesamter Ertrag aus 15 Jahren Disziplin liegt bei rund 2.400 Euro.
Dafür hast du dir einen Zinssatz gesichert, von dem heute niemand weiß, ob er in 15 Jahren überhaupt attraktiv sein wird. Zinsniveaus ändern sich. Deine Lebensplanung auch. Was sich nicht ändert, ist der Preis, den du für diese Absicherung bezahlt hast, nämlich 15 Jahre lang die Rendite auf 63.000 Euro.
Das ist der Punkt, den die Verkaufsgespräche auslassen. Eine Zinssicherung ist nicht kostenlos, nur weil auf der Rechnung kein Preis steht. Der Preis ist das, was dein Geld in der Zwischenzeit nicht verdient hat.

350 Euro monatlich, 15 Jahre, zwei Wege

Die gleiche Summe, der gleiche Zeitraum, ein anderer Weg. Statt 350 Euro monatlich in einen Bausparvertrag zu legen, fließen sie in einen breit gestreuten ETF oder Fondssparplan.
Nach 15 Jahren stehen dort nach unserer Modellrechnung rund 105.000 Euro. Gegenüber den 65.430,23 Euro aus dem Bausparvertrag sind das knapp 40.000 Euro mehr. Bei identischer Sparrate und identischem Zeitraum.
Diese 40.000 Euro sind der eigentliche Preis, den ein Bausparvertrag als Altersvorsorge kostet. Sie tauchen in keiner Abrechnung auf, weil sie nie entstanden sind.
Wichtig zur Einordnung: Das ist eine Modellrechnung auf Basis langfristiger Kapitalmarktrenditen und keine Zusage. Kapitalmärkte schwanken, einzelne Jahre können deutlich im Minus liegen, und Erträge sind zu versteuern. Genau deshalb kommt es auf den Zeithorizont an. Wer sein Geld in drei Jahren braucht, gehört nicht in den Aktienmarkt. Wer 15 Jahre Zeit hat, kann Schwankungen aussitzen und wird historisch dafür bezahlt.
Die Bausparzahl dagegen ist keine Modellrechnung. Die 65.430,23 Euro sind das, was du bekommst. Vertraglich zugesagt, kalkulierbar und niedrig.

Warum trotzdem so viele Deutsche einen Bausparvertrag als Altersvorsorge haben

Weil er sich gut anfühlt. Das ist keine Ironie, das ist der Kern des Geschäftsmodells.
Der Bausparvertrag als Altersvorsorge verkauft Sicherheit, Planbarkeit und das gute Gefühl, etwas Vernünftiges getan zu haben. Emotionen also. Genau diese Emotionen bedienen Banken, Sparkassen und Bausparkassen seit Jahrzehnten sehr erfolgreich, weil sich mit einem Bausparvertrag schnell und unkompliziert Provision verdienen lässt.
Wir arbeiten bewusst anders. Nicht schnell und billig ein Produkt verkaufen, das sich sicher anfühlt, sondern rechnen und dann entscheiden. Manchmal ist das unbequemer im Gespräch. Nach 15 Jahren ist es rund 40.000 Euro angenehmer.
Und um es klar zu sagen: Wir haben nichts gegen Sicherheit. Wir haben etwas dagegen, für ein Sicherheitsgefühl den Preis einer echten Altersvorsorge zu bezahlen.

Was du mit einem bestehenden Bausparvertrag als Altersvorsorge machen kannst

Wenn du bereits einen Bausparvertrag als Altersvorsorge laufen hast, ist das kein Grund zur Panik und auch kein Grund für vorschnelle Entscheidungen. Es ist ein Grund, ihn einmal anzusehen.
Relevant sind der Tarif, das Abschlussjahr, der vereinbarte Guthabenzins, der Stand der Bewertungszahl und die Frage, ob du wohnwirtschaftlich verwenden willst oder dir das Guthaben auszahlen lässt. Bei Verträgen aus Hochzinsphasen sieht die Rechnung anders aus als bei einem Neuabschluss von heute. Und wer bereits vermögenswirksame Leistungen oder Wohnungsbauprämie eingesammelt hat, muss prüfen, was bei einer Auszahlung ohne wohnwirtschaftliche Verwendung davon zurückzuzahlen ist.
Aus diesen Zahlen ergibt sich, welcher Weg passt: weiterlaufen lassen, beitragsfrei stellen oder kündigen. Wenn ein Ausstieg für dich richtig ist, übernehmen wir die Abwicklung. Vordrucke, Fristen, Schriftverkehr. Du musst dir nichts selbst zusammensuchen.

Wie wir stattdessen arbeiten

Wenn ein Bausparvertrag als Altersvorsorge ausscheidet, stellt sich die Frage, was stattdessen passt. Unser Ansatz dabei ist mathematisch, nicht emotional. Wir schauen uns an, wie viel Geld dir monatlich zur Verfügung steht, wie lange es arbeiten kann und welche Risiken davor abgesichert sein müssen. Daraus entsteht eine Struktur, und erst danach fällt die Entscheidung über Produkte.
Zwei Dinge sind uns dabei wichtig. Erstens Kosten, weil sie der Teil deiner Rendite sind, den du tatsächlich beeinflussen kannst. Wir bauen Depots ohne Ausgabeaufschläge auf und arbeiten mit einer erfolgsabhängigen Vergütung. Wenn dein Vermögen wächst, verdienen wir mehr. Wenn nicht, nicht.
Zweitens Ehrlichkeit über die Risiken. Ein ETF Sparplan schwankt. Das gehört dazu und wird von uns nicht weggeredet. Was wir dir dafür geben, ist eine Rechnung, die du selbst nachvollziehen kannst, statt eines guten Gefühls, das dich 40.000 Euro kostet.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine individuelle Beratung. Was in deinem Fall sinnvoll ist, hängt von deinen Zahlen ab. Das Erstgespräch dazu ist bei uns kostenfrei.

Über die Autoren:

Andreas Bauer und Moritz Bauereiß
Certified Financial Planner und Finanzökonomen
Unabhängig, digital und ohne Produktverkauf. Wir rechnen deine Finanzierung durch, bauen dein Vermögen auf und bleiben auch nach dem Kauf an deiner Seite.

Häufige Fragen zum Bausparvertrag als Altersvorsorge

Ist ein Bausparvertrag als Altersvorsorge sinnvoll?

Nach unserer Auffassung nein. Ein Bausparvertrag ist keine Altersvorsorge, weil er keine nennenswerte Rendite erzeugt. Bei 0,5 Prozent Guthabenzins und einer Abschlussgebühr von rund einem Prozent der Bausparsumme bleibt real nichts übrig, was dich im Ruhestand trägt. Die Frage nach dem Bausparvertrag als Altersvorsorge vergleicht zwei Dinge, die nicht in dieselbe Kategorie gehören.

Wie viel bringt ein Bausparvertrag nach 15 Jahren?

Bei 350 Euro monatlich und 0,5 Prozent Guthabenzins sind es nach 15 Jahren 65.430,23 Euro. Eingezahlt hast du in dieser Zeit 63.000 Euro. Der gesamte Zinsertrag liegt also bei rund 2.400 Euro über 15 Jahre.

Was wäre die Alternative bei gleicher Sparrate?

Dieselben 350 Euro monatlich in einem breit gestreuten ETF oder Fondssparplan ergeben nach unserer Modellrechnung nach 15 Jahren rund 105.000 Euro, also knapp 40.000 Euro mehr. Das ist eine Modellrechnung auf Basis langfristiger Kapitalmarktrenditen und keine Zusage. Kapitalmärkte schwanken, und Erträge sind zu versteuern.

Ist ein Bausparvertrag wenigstens zur Zinssicherung sinnvoll?

Auch dort nicht. Du sicherst dir zwar einen Darlehenszins für die Zukunft, bezahlst dafür aber 15 Jahre lang mit der Rendite auf dein gesamtes Guthaben. Ob der gesicherte Zins in 15 Jahren überhaupt attraktiv ist, weiß heute niemand. Der Preis dieser Absicherung steht auf keiner Rechnung, ist aber real.

Soll ich meinen bestehenden Bausparvertrag kündigen?

Das hängt vom konkreten Vertrag ab. Entscheidend sind Tarif, Abschlussjahr, Guthabenzins und die Frage, ob du wohnwirtschaftlich verwendest. Alte Verträge aus Hochzinsphasen können anders zu bewerten sein als neue. Lass den Vertrag prüfen, bevor du kündigst, und kläre vorher, was mit erhaltener Wohnungsbauprämie passiert.

Deine Finanzierung durchgerechnet, bevor du unterschreibst.